Schloss Nebersdorf

On the Road Again…

…oder der gute Mensch von Unterloisdorf.

Er hat mich schon an der Straße hinter Rattersdorf gesehen, sagt er mir. Einen Wanderer sieht man selten. Der fällt auf in der hügeligen, fein geordneten Natur des Burgenlandes mit all den Weinstöcken, Korn- und Maisfeldern.

Er steht vor seiner Hofausfahrt, unsere Blicke begegnen sich, und er scheint regelrecht darauf zu warten, dass ich ihn nach dem Weg frage. „Der Bernsteinweg, kommen’s, ich zeig’s Ihnen, am besten, hinter meinem Hof, da kann ich’s Ihnen gut erklären.“ Und er sprudelt los. Beschreibt jede Kurve und Bodensenke, jedes Feld und jeden Knick. „Und da, nicht links nicht rechts, da müsssen Sie einfach nur über die Straße.“ Alles ganz eindeutig.

„Haben Sie Durst, Sie müssen doch Durst haben?“ Seine Frau bringt ein herrlich erfrischendes Getränk. Ich hab‘ die Mischung vergessen. War’s Birne mit Zitrone?

Stefan K. ist seit gut einem Jahr Rentner. Jetzt hat er Zeit. „Wissen’s was? Soll ich Sie da eben hinfahren, wo der Römerweg anfängt? Da kann ich Ihnen auch zeigen, wo Sie längs laufen müssen!“

Und schon sitzen wir in seinem Auto und fahren gemeinsam die beschriebenen Orte ab, halten an markanten Punkten, machen Aufnahmen. „Und hier habe ich gesagt…, und sehen Sie, und hier müssen Sie einfach nur über die Straße.“

Stefan K.  an der Bernsteinstraße bei Strebersdorf
Stefan K. an der Bernsteinstraße bei Strebersdorf

„Wo kommen Sie unter, in der Pension Schlossblick in Nebersdorf? Aha. Da fahre ich Sie eben vorbei. Oder wollen Sie die letzten vier Kilometer wieder laufen?“ Ich schaue bedenklich zum Himmel. Nach den Hitzetagen ist für das Burgenland Unwetter vorhergesagt. In der Ferne ziehen bereits dunkle Wolken auf. „Ach wissen Sie was, fahren Sie mich zur Pension“, bitte ich ihn.

Als ich in der Pension unter der Dusche stehe, entlädt sich heftiger Gewitterregen und setzt sich bis in die späten Abendstunden fort.

„Gut, dass Sie gestern rechtzeitig kommen saan. Eine halbe Stunde später wär’s problematisch worden“, sagt die Wirtin am nächsten morgen beim Frühstück, „wir haben 28 Liter auf den Quadratmeter gemessen, ‚s war aber auch bitter nötig!“

Ein Gedanke zu „On the Road Again…“

  1. HALLO CARSTEN, MEINE GRENZENLOSE BEWUNDERUNG IST DIR SICHER – UND ICH LIEBE DEINE „SCHREIBE“ ! LASS DICH NICHT UNTERKRIEGEN!
    MONIKA

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